Versteckspielchen

Als ökologisch aufgeklärter Bürger und natürlich aus finanziellen Gründen nutze ich meistens die öffentlichen Verkehrsmittel und fahre eher selten mit dem Auto. Daher lassen mich die aktuellen Preise für Benzin und Diesel ziemlich kalt.Kalt – ist das richtige Stichwort. Denn die Temperaturen der letzten Tage (-17°C in der Nacht vom 29./30.12.2010) haben für Autobatterien von Wenigfahrer wie mich böse Konsequenzen: Nach einigen Wochen Stillstand bekam ich kürzlich mein Auto nur mit Mühe an. Da hatte ich anscheinend noch einmal Glück gehabt …

Nachdem ich mein Glück nicht über strapazieren möchte, nutzte ich gleich das nächste Wochenende um  im nächsten Baumarkt ein Ladegerät zu kaufen. Nicht weit von mir befindet sich das optisch sehr ansprechende Baumarkt Bauhaus. Den Kunden empfangen große Hallen, in denen im Gegensatz zu anderen Baumärkten noch richtig Platz ist. Ein schöner erster Eindruck.

So schön, wie der Laden auch ist, so menschenscheu sind die Verkäufer. Denn hatte ich mal einen von denen erspäht (was gar nicht so einfach ist), waren die schon wieder verschwunden. Klar – die hatten hier Heimvorteil und kannten jeden Winkel um sich vor den nervenden Kunden zu verstecken.

Bei meiner erfolglosen Verkäuferjagd kam ich an einem Info-Stand vorbei. „Frag ich doch mal die netten Mädels“ – dachte ich mir:

Nette Dame vom Info-Stand: „Wenden Sie sich bitte an Herrn Herrn Meyer (-> der Name ist erfunden, da ich den richtigen mittlerweile vergessen habe). Der kennt sich da aus und kann mir sicherlich weiterhelfen.“

Herr Meyer … ?! Zum Glück kenne ich jeden Mitarbeiter dieses Baumarktes mit Namen, so dass ich sofort wusste, an wen ich mich wenden muss.

Dieses „Fragen Sie Herr xxx“ bzw. „Frau yyy“ scheint im „Baumarkt Bauhaus“ System zu sein. Denn wenn man in dem Laden nach irgend etwas fragt, wird einem immer der Namen einer Person genannt, der einem dann angeblich weiterhelfen kann. Anscheinend bildet sich hier jemand vom Management ein, dass so etwas Vertrauen schafft. Also ich fühle kein Vertrauen in mir aufkommen, sondern bekomme eher das Gefühl, dass man hier keine Fragen haben darf.

Ich vermutete, dass sich der Experte irgendwo in der Nähe der Elektroabteilung aufhalten wird. Also bin ich da noch mal hin und fand dieses mal tatsächlich einen Herren kniend vor einem Regal.

Ich: „Sind Sie Herr Meyer?“

Kniender Herr: „Nein – der muss hier irgendwo sein. Schauen Sie mal dort hinten.“ und zeigt ohne hinzuschauen mit einer Hand in eine Richtung.

Ich: „Dort hinten ist eine Wand. Da ist niemand.“

Kniender Herr: „Ich meine die andere Richtung.“ Jetzt zeigte er woanders hin.

Ich: „Da war ich schon, konnte aber niemanden finden. Könnten Sie mir vielleicht weiterhelfen?“

Kniender Herr stand etwas genervt auf und knurrte: „Worum geht es denn?“

Ich: „Ich suche eine Art Ladegerät, mit welchem man eine Autobatterie aufladen bzw. deren Leistung erhalten kann. Mein Auto steht in einer geschlossenen Garage und eine Steckdose ist ca. einen Meter von der Motorhaube entfernt. Können Sie mir etwas empfehlen was ich benutzen kann, ohne die Autobatterie ausbauen zu müssen?“

Der mittlerweile stehende Herr schaute mich regungslos an. Als er nach 30 Sekunden immer noch nichts sagte, überlegte ich, ob das vielleicht zu viele Informationen in zu kurzer Zeit waren, die ich da von mir gegeben hatte. Ich wollte gerade meine Frage neu formulieren, da begann der Herr spontan in eine bestimmte Richtung zu laufen. Ich trabte ihm hoffend hinterher. Einige Meter später brach er das Schweigen:

Laufende Herr: „So etwas gibt es nicht. Sie müssen unbedingt Ihre Autobatterie ausbauen. Alles andere ist nur Murks.“

Ich: „Sind Sie da absolut sicher? Ich kenne Leute (z.B. meinen Vater), die seit Jahren solch ein Teil besitzen und damit ihre Autobatterie pflegen.

Laufende Herr: „Mag sein, dass es so etwas gibt. Aber wie gesagt, das ist alles Quatsch und deshalb verkaufen wir so etwas nicht“.

Da ich diesem Bereich alles andere als ein Experte bin, war ich jetzt etwas verunsichert und befragte meinen Vater sowie einen Freund von dem ich weiß, dass er sich wirklich damit auskennt. Beide lächelten nur, als ich ihnen von den Erlebnissen meines Besuches im „Baumarkt Bauhaus“ berichtete.

Netter Weise bekam ich von meinem Freund ein Ctek MULTI XS 7000 Automatik-Ladegerät für ein paar Tage geliehen und konnte mich davon überzeugen, dass es sehr Wohl eine Lösung für mein Problem gibt. Im übrigen habe ich mir das Teil mittlerweile bestellt und bin damit sehr zufrieden!

Mein Fazit:

Es stört mich nicht wirklich, dass ich in diesem Baumarkt nicht das gefunden hatte, was ich suchte. Auch ist es nicht sooo schlimm, wenn der Verkäufer nicht wusste, dass es sehr wohl eine Lösung gab (man kann nicht alles wissen). Richtig gestört hat mich an diesem Laden, dass ich bei den Verkäufern das Gefühl hatte, dass ich störe. Von allen befragten Personen vermittelte mir nicht eine das Gefühl, dass sie mir wirklich helfen wolle.

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3 Antworten auf Versteckspielchen

  1. Felix Kothe sagt:

    Ein weiterer sehr amüsanter Artikel! Bravo!

    Sehr cool: „Dort hinten ist eine Wand.“ Mann, hab ich gelacht. 🙂 Würde mir genau überlegen, ob ich in den Laden noch mal einen Schritt mache!

  2. Labla sagt:

    So lange man weiß was man will, kann man den Laden sogar empfehlen! Er ist sehr übersichtlich / nicht zu voll gestopft und die Preise sind im Gegensatz zu Obi oft sogar günstiger. Nur haben die ihre eigene Definition von Service … 🙁

  3. Mike sagt:

    Du mußt dich tarnen.
    Latzhose, Zollstock in der Seitentasche, Flecken auf dem Hosenbein die bezeugen:
    Du HAST was gearbeitet.
    Ist ähnlich wie bei Tierbeobachtung in freier Natur, da tarnt man sich auch und versucht sich mit Erde zu beschmieren um den eigenen Duft zu verstecken.

    Facharbeiter im Baumarkt erkennen Handwerker vorrangig an den Klamotten und dem erigierten Gesichtsausdruck bei „richtigen“ Maschinen und Werkzeugen und dem ignorieren der „in-der-Mitte-Billig-1x-im-gebrauch-kaputt-Werkzeug-Kiste“

    Wenn sie dann überzeugt sind, dass du potentiell harmlos bist:
    Scheinbar gleichgültig einem der inzwischen auffällig vielen Mitarbeiter nähern der sich in der Abteilung in der du Fragen hast an einem Regal zu schaffen macht und dann mit den Fragen bombardieren die dich schon seit 20 Jahren beim betreten eines Baumarktes belasten.

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